Mehr Gewicht für Bienen in der EU-Agrarpolitik

Mehr Gewicht für Bienen in der EU-Agrarpolitik

Die EU stellt ihre Agrarpolitik neu auf. Mit Vorschlägen zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 bringt der Deutsche Imkerbund nicht nur die Interessen der Imkerei in die politische Debatte ein. Vielmehr spricht er sich für eine nachhaltige Landwirtschaft aus, von der alle profitieren werden.

Die europäische Agrarpolitik steht vor einer Richtungsentscheidung. Mit der geplanten Neuausrichtung ab 2028 will die EU ihre Landwirtschaft entbürokratisieren sowie widerstandsfähiger, nachhaltiger und produktiver machen. In diese Debatte hat sich der Deutsche Imkerbund mit einem Forderungspapier des Präsidiums eingebracht.

Vorausgegangen war ein Austausch mit einem Berichterstatter des Europäischen Parlaments, der daraufhin ausdrücklich um Vorschläge gebeten hatte. Diese Gelegenheit ließen wir nicht ungenutzt. Wir schickten unsere Forderungen und Vorschläge für Änderungen an die Berichterstatter und die Bundesregierung, um die Rolle von Imkerei und Bestäubern in der Agrarpolitik künftig besser zu verankern.

Verlässliche Mittel statt Konkurrenz

Ein zentrales Anliegen ist die Finanzierung. Die EU-Kommission will den Mitgliedstaaten mehr Spielraum bei der Verteilung von Fördergeldern geben. Für die Imkereiförderung wurde aber keine Mindesthöhe vorgeschlagen. Der D.I.B. hält das für riskant. Ohne festen Rahmen droht die Imkerei im Wettbewerb mit anderen landwirtschaftlichen Sektoren ins Hintertreffen zu geraten. Deshalb fordert der Verband ein verbindliches Mindestbudget für die Imkerei, das sich mindestens am heutigen Niveau orientiert.

Priorität für Umweltmaßnahmen

Besonders kritisch sieht der Verband, dass zentrale Umweltmaßnahmen von den Mitgliedstaaten kofinanziert werden müssen, während die Direktzahlungen an die Landwirte vollständig von der EU übernommen werden. Dadurch verlieren freiwillige Umweltprogramme an Attraktivität – vor allem in Zeiten klammer Staatskassen. Das könnte genau jene Maßnahmen schwächen, die Biodiversität fördern und damit auch den Bestäubern zugutekommen. Der D.I.B. plädiert daher für eine vollständige EU-Finanzierung zentraler Umweltmaßnahmen und Gemeinwohlleistungen.

Zugleich sollte der Schutz von Bestäubern ausdrücklich als Ziel der Maßnahmen integriert werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik könnte hier ein wirksamer Hebel sein, um den Rückgang von Insekten aufzuhalten. So fordern wir unter anderem, Direktzahlungen in der Landwirtschaft stärker an konkrete ökologische Leistungen zu knüpfen – etwa an den reduzierten Einsatz bienenschädlicher Pflanzenschutzmittel.

Mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Imkerei

Mehrere Vorschläge zielen auf eine engere Verzahnung der Landwirtschaft mit der Imkerei. Fördermittel könnten an Kooperationen mit Imkerinnen und Imkern gebunden werden – etwa an Bestäubungsverträge oder abgestimmte Spritzzeiten. Vor allem das langfristige Anlegen insektenfreundlicher Strukturen, wie Hecken, Blühflächen oder ungespritzter Zonen, sollte gezielt unterstützt werden.

Damit solche Maßnahmen wirken, braucht es zudem verlässliche Indikatoren. Hierzu greift der D.I.B. den Vorschlag auf, den Zustand von Bestäuberpopulationen systematisch zu erfassen und in die Bewertung der Maßnahmen einzubeziehen.

Generationenwechsel fördern – auch in der Imkerei

Ein weiterer Punkt betrifft die Förderung junger Imkerinnen und Imker beim Einstieg in die Erwerbsimkerei. Sie sollten bei der Unterstützung des Generationenwechsels in der Landwirtschaft nicht vergessen werden. Der Verband weist darauf hin, dass manche erst relativ spät in die Erwerbsimkerei einsteigen. Deshalb schlägt er vor, die Altersgrenze für die Förderung eines eigenen Betriebes flexibler auszulegen. Ergänzend sollten Übergangsgelder möglich sein, um einen schrittweisen Aufbau einer Erwerbsimkerei zu ermöglichen.

Warum das jetzt wichtig ist

Die Diskussion um die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2027 ist mehr als eine reine Förderdebatte. Sie entscheidet darüber, wie die Landwirtschaft in Europa künftig aussieht – und welchen Platz ökologische Leistungen darin haben. Der Deutsche Imkerbund macht deutlich: Wer über Nachhaltigkeit spricht, muss auch an die Bestäuber denken. Unsere Vorschläge zielen darauf, die Imkerei als systemrelevanten Teil der Landwirtschaft zu verankern. Das ist keine abstrakte Politik. Es geht um die Bedingungen, unter denen unsere Bienen künftig leben – und damit auch um die Zukunft der Imkerei.