Mobilfunkstrahlung und Bienen

Mobilfunkstrahlung und Bienen

Kann Mobilfunkstrahlung Bienen schaden? Diese Frage kommt immer wieder auf. Die Forschung hat darauf inzwischen eine begrenzte Antwort: Generell können elektromagnetische Felder biologische Effekte bei Insekten auslösen. Ob diese im realen Umfeld von Bienenvölkern eine praktische Bedeutung haben, ist jedoch nicht belegt.

Mobilfunk, WLAN und 5G nutzen hochfrequente elektromagnetische Felder im Gigahertzbereich. Diese Felder sind im Alltag meist schwach und liegen in der Regel deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Für die Imkerei stellt sich deshalb nicht die Frage, ob diese Felder existieren, sondern ob sie unter realen Bedingungen biologisch relevant sind.

Dass Bienen empfindlich auf (elektro)magnetische Reize reagieren könnten, erscheint plausibel. Bereits 1994 beschrieben Forscher Magnetit-Partikel im Körper von Honigbienen, die möglicherweise an der Orientierung beteiligt sind (Hsu & Li 1994).

Größere Aufmerksamkeit erhielt eine spätere Studie des Biologen Daniel Favre. Er beobachtete bei Bienenvölkern vermehrte „Piping“-Signale, wenn sich eingeschaltete Mobiltelefone in Stocknähe befanden (Favre 2011). Diese Töne gelten als Hinweis auf Stress oder Schwarmvorbereitung. Die Arbeit war jedoch klein angelegt und erlaubt keine Aussagen über langfristige Schäden.

Was Experimente zeigen

Eine zentrale Arbeit kommt von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim. Dort setzte Manuel Treder Bienenvölker definierten hochfrequenten elektromagnetischen Feldern aus, wie sie im Umfeld moderner Funktechnik realistischerweise vorkommen. Das Ergebnis ist differenziert: Im Vergleich zur Kontrollgruppe kamen in den Völkern, die einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt waren, 17 % weniger Arbeiterinnen von ihren Sammelflügen zurück. Messbare Effekte auf Brutentwicklung oder Überlebensdauer der Arbeiterinnen zeigten sich dagegen nicht (Treder et al. 2023). Einzelne Verhaltensänderungen sind folglich messbar. Ein Schaden auf Volksebene lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten.

In einem weiteren Versuch verringerte sich die Häufigkeit von Blütenbesuchen von Hummeln, wenn sich die Blüten in einem künstlichen elektromagnetischen Feld befanden (Treder et al. 2025). Auch hier gilt: Das Verhalten einzelner Tiere änderte sich, doch eine ökologische Wirkung im Freiland ist daraus nicht direkt ableitbar.

Schwankende Qualität

In einer umfassenden Übersichtsstudie (Thill et al. 2023) analysierten die Autoren eine große Zahl experimenteller Studien zu elektromagnetischen Feldern bei Insekten. Das Ergebnis zeigt kein einheitliches Bild: Viele Arbeiten berichten von biologischen Effekten auf das Verhalten oder den Stoffwechsel der Tiere, aber die Studien unterscheiden sich stark in Qualität, Methodik und Expositionsbedingungen. Ein klarer ökologischer Effekt auf Populationsebene lässt sich daraus nicht ableiten.

Fazit

Nach aktuellem Stand der Forschung beeinträchtigt Mobilfunkstrahlung Bienenvölker oder Bestäuberpopulationen nicht wesentlich. Es fehlen bislang belastbare Langzeit- und Freilandnachweise.

Im Vergleich dazu sind andere Stressoren eindeutig besser belegt: Varroa, Viruserkrankungen, Pestizidbelastung, Nahrungsmangel und klimatische Veränderungen gelten als entscheidende Faktoren für die Gesundheit von Bienenvölkern.

Mobilfunkstrahlung wird in der Forschung derzeit eher als möglicher zusätzlicher Stressor diskutiert. Ihre tatsächliche Bedeutung im komplexen Zusammenspiel realer Umweltfaktoren ist jedoch ungeklärt.

Unter Strom

Eine weitere Frage dreht sich um das Aufstellen von Bienenvölkern unter Hochspannungsleitungen. Hierbei handelt es sich meist um niederfrequente elektromagnetische Felder (50 Hz), nicht um Hochfrequenz wie WLAN oder 5G. Auch hier fehlen Langzeitdaten auf Volksebene. Eine direkte Verbindung zu Völkerverlusten oder Insektensterben ist nicht belegt. Eine neuere Studie aus Chile (Molina-Montenegro et al. 2023) weist auf eine geringere Bestäubung von Kalifornischem Mohn unter Hochspannungsleitungen hin. Allerdings macht die Studie keine Angaben dazu, wo sich die Bienenvölker befanden und wie groß ihr Abstand zu den jeweiligen Versuchsflächen war.

Literatur

Favre D (2011): Mobile phone-induced honeybee worker piping. Apidologie 42: 270–279.

Hsu CY, Li CW (1994). Magnetoreception in honeybees. Science 265(5168): 95–97. DOI: 10.1126/science.265.5168.95.

Molina-Montenegro MA et al. (2023). Electromagnetic fields disrupt the pollination service by honeybees. Science Advances 9(19): eadh1455. DOI: 10.1126/sciadv.adh1455.

Thill A et al. (2023): Biological effects of electromagnetic fields on insects: systematic review and meta-analysis. Reviews on Environmental Health. https://doi.org/10.1515/reveh-2023-0072

Treder M et al. (2023). Defined exposure of honey bee colonies to simulated radiofrequency electromagnetic fields (RF-EMF): Negative effects on the homing ability, but not on brood development or longevity. Science of the Total Environment. http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2023.165211

Treder M et al. (2025). Radiofrequency electromagnetic fields reduce bumble bee visitation to flowers. Environmental Pollution. https://doi.org/10.1016/j.envpol.2025.126836