Die ersten Honiggläser mit vollständiger Ursprungsangabe stehen in den Regalen der Supermärkte. Seit der Änderung der Honigverordnung müssen neu abgefüllte Mischhonige alle Ursprungsländer einschließlich ihrer prozentualen Anteile ausweisen. In Frankreich hat diese neue Regelung den größten Honigabfüller dazu veranlasst, seinen Ansatz zu ändern.
In Deutschland und anderen Mitgliedstaaten finden sich bereits Honiggläser mit einer transparenten Auflistung aller Ursprungsländer und ihrer Anteile in Supermärkten. Damit wird erstmals sichtbar, was sich hinter den bisherigen Angaben wie „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ verbarg – zum Beispiel: 92 Prozent Honig aus der Ukraine und 8 Prozent aus Bulgarien.
Mischhonige werden transparenter
Seit dem 14. Juni gelten die Vorgaben der geänderten Honigverordnung. Der Deutsche Imkerbund und andere Imkerverbände hatten sich lange für eine transparente Ursprungskennzeichnung eingesetzt. Wie erwartet bestehen die bislang gefundenen Mischungen nur aus wenigen Herkunftsländern. Auf den von uns überprüften Etiketten haben wir bisher bis zu vier Länder gefunden.
Strategiewechsel beim größten französischen Abfüller
Der größte französische Honigabfüller, Famille Michaud Apiculteurs, geht nun offenbar einen anderen Weg. Auf den neuen Honiggläsern, die wir in Supermärkten gefunden haben, ist jeweils nur noch ein Ursprungsland angegeben. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung, denn sie widerspricht einigen früheren Aussagen der Abfüllbranche.
Frühere Argumente auf dem Prüfstand
Die Generaldirektorin hatte bereits in einem Fernsehbericht erklärt, das Unternehmen reagiere auf den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher, nur noch Honig aus jeweils einem Ursprungsland anzubieten. Einen solchen Wunsch haben unseres Wissens Konsumentinnen und Konsumenten jedoch nie geäußert. Gefordert wurde vielmehr eine transparente Ursprungsangabe. Genau diese scheint Famille Michaud Apiculteurs mit dem neuen Vorgehen ein wenig umgehen zu wollen. Bei Honig aus nur einem Ursprungsland muss dieses nämlich nicht im Hauptsichtfeld angegeben werden. Während französischer Honig von dem Betrieb auf der Vorderseite der Gläser deutlich mit der Trikolore beworben wird, findet sich die Herkunft aus der Ukraine oder beispielsweise Bulgarien auf dem Rückenetikett.



Während die französische Herkunft beim entsprechenden Honig deutlich ausgelobt wird, muss man die Herkunft bei den anderen beiden Produkten erst suchen – es handelt sich um deutlich billigere Ware aus der Ukraine.
Warum ist das Vorgehen eines der größten Honigabfüller Europas so bemerkenswert?
- Abfüller betonten über Jahre, die Herkunft des Honigs spiele für Verbraucherinnen und Verbraucher keine Rolle. Umso mehr stellt sich die Frage, warum der Abfüller – sowohl in Frankreich als auch im Ausland – französischen Honig auf der Vorderseite werbewirksam hervorhebt, während die Angabe andere Herkunftsländer erst gesucht werden muss.
- Ebenso argumentierten Abfüller stets, Mischungen aus unterschiedlichen Ursprungsländern seien notwendig, um Schwankungen auf dem Honigmarkt auszugleichen und einen gleichbleibenden Geschmack zu gewährleisten. Wenn nun einer der größten europäischen Honigabfüller auf Mischungen verzichtet, gerät auch dieses Argument ins Wanken.
Mehr Klarheit für die Honiganalytik?
Das Vorgehen von Famille Michaud Apiculteurs bringt die Branche durchaus in Erklärungsnot. Gleichzeitig könnte der Verzicht auf Mischungen aus mehreren Ursprungsländern die Honiganalytik bei der Aufdeckung von Betrug deutlich erleichtern. Tatsächlich gab es aus der Imkerschaft auch die Forderung, entsprechende Mischungen zu verbieten, da sie die Beantwortung einiger analytischer Fragestellungen erschweren. Dieses Problem wird in politischen Debatten von Abfüllerseite regelmäßig angeführt. Famille Michaud Apiculteurs zeigt nun, dass das Mischen unterschiedlicher Herkünfte zumindest für das eigene Unternehmen offenbar nicht notwendig ist.
