Wildbienen brauchen mehr als Blüten

Wildbienen brauchen mehr als Blüten

Wildbienen benötigen vielfältige Lebensräume. Zu den wichtigsten Ursachen für den Rückgang vieler Arten zählen der Verlust geeigneter Lebensräume und fehlende Nistmöglichkeiten. Die Landschaft braucht Strukturen wie Hecken, Brachen und offene Bodenstellen.

Seit Jahren zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass der Rückgang vieler Wildbienenarten mit Veränderungen in der Landnutzung und dem Verlust beziehungsweise der Verschlechterung geeigneter Lebensräume zusammenhängt. Genau hier setzt der neue Praxisratgeber „Wildbienen – Ein Leitfaden für die Landwirtschaft“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) an. Er bündelt die Ergebnisse des Forschungsprojekts FarmerBeeWild und übersetzt sie in konkrete Empfehlungen für die landwirtschaftliche Praxis.

Viele Puzzleteile

Die Botschaft des Leitfadens ist ebenso einfach wie überzeugend: Wildbienen brauchen nicht die eine perfekte Maßnahme, sondern eine Landschaft, in der verschiedene Lebensräume ineinandergreifen. Blühende Feldraine, Hecken, Streuobstbestände, Brachen und offene Bodenstellen ergänzen sich. Während die einen Nahrung liefern, bieten die anderen Nistmöglichkeiten. Erst dieses Zusammenspiel schafft günstige Voraussetzungen dafür, dass sich artenreiche und langfristig stabile Wildbienen-Gemeinschaften entwickeln können.

Blühende Kulturen allein reichen nicht

Besonders interessant sind die Ergebnisse der Feldstudien. Sie zeigen, dass große Blütenfelder – etwa Raps oder Sonnenblumen – zwar wertvolle Nahrung liefern können, den Artenreichtum der Wildbienen aber nicht allein sichern. Wichtig sind vielmehr die oft unscheinbaren Begleiter der Kulturen: blühende Beikräuter, blütenreiche Feldränder und naturnahe Strukturen. Der Leitfaden zeigt außerdem, dass viele Arten bereits von einfachen offenen Bodenstellen oder Totholz profitieren, wenn sich diese in der Nähe geeigneter Blütenpflanzen befinden.

Ratgeber für die Praxis

Der neue Praxisratgeber „Wildbienen – Ein Leitfaden für die Landwirtschaft“ richtet sich in erster Linie an Landwirtinnen und Landwirte. Er zeigt, wie sich Betriebe Schritt für Schritt wildbienenfreundlicher gestalten lassen. Aber auch für Berater, Naturschutzakteure, Kommunen und Landschaftspflegeverbände erklärt der Ratgeber sehr anschaulich, welche Faktoren für Wildbienen entscheidend sind und welche Maßnahmen auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse sinnvoll sind. Er eignet sich deshalb gut als Orientierung über den aktuellen Kenntnisstand.


Unterschiede bei Sonnenblumen:

In Untersuchungen zur Sonnenblume trugen Honig- und Wildbienen zur Bestäubung bei. Sie nutzten die Landschaft aber unterschiedlich: Während Honigbienen und Hummeln überwiegend die Sonnenblumen besuchten, nutzten andere Wildbienen die Beikräuter unter den Beständen. Das zeigt, wie vielfältig Bestäuber-Gemeinschaften funktionieren.