Damit aus Blüten Früchte werden

Damit aus Blüten Früchte werden

Ob Obst, Raps oder andere Kulturen: Was im Sommer geerntet wird, beginnt mit der Blüte im Frühjahr. Eine gute Bestäubung entscheidet nicht nur darüber, ob Früchte und Samen entstehen. Sie beeinflusst auch deren Form, Qualität und Haltbarkeit. Auch wenn Honigbienen dabei eine Schlüsselrolle übernehmen, braucht es dafür eine vielfältige Bestäubergemeinschaft.

Jetzt im Sommer sehen wir, was im Frühjahr begonnen hat: Früchte reifen, Samen entstehen und Pflanzen vollenden ihren Entwicklungszyklus. Der entscheidende Schritt davor war die Bestäubung unzähliger Blüten. Dabei zählt nicht nur die Menge. Eine gleichmäßige und ausreichende Bestäubung sorgt bei vielen Pflanzen für besser ausgeformte Früchte, die sich häufig länger lagern lassen. Bestäuber sichern deshalb nicht nur Ertrag, sondern auch Qualität.

Nicht die einzelne Biene entscheidet

Einzelne Wildbienenarten können sehr effiziente Bestäuber sein. Mauerbienen oder Hummeln übertragen bei manchen Pflanzen pro Blütenbesuch mehr Pollen als eine einzelne Honigbiene. Für die Bestäubung in einer modernen Landwirtschaft kommt es jedoch auf mehr an.

Wenn Obstplantagen oder Rapsfelder blühen, müssen innerhalb kurzer Zeit Millionen Blüten erreicht werden. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Leistung eines einzelnen Tieres, sondern die Größe, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit einer Bestäuberpopulation. Hier liegt eine besondere Stärke der Honigbiene.

Ein starkes Honigbienenvolk stellt während der Blüte viele tausend Sammlerinnen bereit. Imkerinnen und Imker können ihre Völker gezielt dorthin bringen, wo sie gebraucht werden. Diese Planbarkeit macht die Honigbiene zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Bestäubung vieler Kulturpflanzen und damit zu einem wichtigen Faktor für unsere Ernährungssicherheit.

Wildbienen machen das System vielfältiger

Die besondere Rolle der Honigbiene schmälert nicht die Bedeutung der Wildbienen. Diese sind ein wertvoller Teil unserer Bestäuberwelt. Sie ergänzen die Bestäubung von Kulturpflanzen und sind für zahlreiche Wildpflanzen unverzichtbar. Eine vielfältige Bestäubergemeinschaft macht unsere Nahrungsproduktion und Ökosysteme stabiler.

Wissenschaftliche Ergebnisse richtig einordnen

Viele Studien zeigen, dass Wildbestäuber den Fruchtansatz verbessern. Dieses Ergebnis ist wichtig und wissenschaftlich gut belegt. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass Wildbienen die gesamte Bestäubung der heutigen Agrarlandschaft übernehmen können.

In manchen Studien werden Honigbienen als eine einheitliche Gruppe betrachtet, obwohl die Bienen eines Volkes unterschiedliche Aufgaben übernehmen: Während Nektarsammlerinnen vor allem Zuckerquellen suchen, sammeln Pollensammlerinnen gezielt Pollen für die Brutversorgung und transportieren größere Mengen Pollen von Blüte zu Blüte. Werden beide Gruppen in einer Studie in einen Topf geworfen, kommt es zu einer fehlerhaften Bewertung der tatsächlichen Bestäubungsleistung von Honigbienen.

Gezüchtete Wildbienen

Sind Honigbienen für bestimmte Kulturen nicht die optimale Lösung, werden andere Bestäuber gezielt eingesetzt. Für Obstanlagen werden beispielsweise Mauerbienen gezüchtet und ausgebracht. In Gewächshäusern übernehmen gezüchtete Hummelvölker die Bestäubung von Tomaten und anderen Kulturen. Auch diese Bestäuber werden gezielt gezüchtet und bewirtschaftet. Entscheidend ist, dass die passenden Bestäuber zur richtigen Zeit in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Dafür steht der Deutsche Imkerbund

Der Deutsche Imkerbund steht für eine moderne und verantwortungsbewusste Imkerei. Honigbienenvölker sichern die Bestäubung vieler Kulturpflanzen und leisten damit einen wichtigen Beitrag für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit.

Gleichzeitig setzen wir uns seit Jahrzehnten für den Schutz von Wildbienen und anderen Bestäubern ein. Dazu gehören vielfältige Landschaftsstrukturen, Blühangebote und geeignete Nistmöglichkeiten, damit Wildbienen dauerhaft Lebensräume finden.

Die Honigbiene erfüllt dabei auch eine wichtige Rolle als Wächterin unserer Umwelt. Schäden an Bienenvölkern können ein Warnsignal sein und auf Belastungen hinweisen, die auch andere Insekten betreffen können. Durch die Aufmerksamkeit der Imkerschaft wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach Probleme unter anderem beim Pflanzenschutz erkannt. Auf Initiative des Deutschen Imkerbundes wurde zudem der Schutz und die Förderung von Bestäubern erstmals ausdrücklich als Maßnahme im Vorschlag zur EU-Parlamentsposition zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 aufgenommen.

Starke Honigbienenvölker, artenreiche Wildbienenbestände und viele weitere Bestäuber leisten gemeinsam einen Beitrag dazu, dass aus Blüten Früchte werden, Pflanzen sich vermehren und unsere Landschaften lebendig bleiben. Bestäubung braucht Vielfalt. Und Vielfalt braucht engagierte Imkerinnen und Imker.