Die Imkerei bekommt die Folgen des Klimawandels bereits zu spüren: Nektarquellen versiegen und Extremwetterereignisse zerstören Bienenstände. Der Deutsche Imkerbund fordert deshalb konsequenteren Klimaschutz und bessere Unterstützung für Landwirtschaft und Imkerei bei der Anpassung an den Klimawandel.
Hitzerekorde, Dürre, Wassermangel, ausgetrocknete Flüsse und verheerende Waldbrände: Der Sommer 2026 führt uns erneut vor Augen, welche Auswirkungen der Klimawandel bereits heute hat. In Deutschland hat das Robert Koch-Institut die Zahl hitzebedingter Sterbefälle bis Ende Juli auf rund 11.900 geschätzt. Gleichzeitig führen extrem niedrige Wasserstände zu erheblichen Einschränkungen der Binnenschifffahrt. Auf dem Rhein können Schiffe vielerorts nur noch mit deutlich reduzierter Ladung fahren.
Auch die Energieversorgung gerät durch Hitze und Wassermangel unter Druck. In Frankreich musste die Leistung mehrerer Atomreaktoren aufgrund hoher Flusswassertemperaturen und niedriger Pegelstände reduziert werden. In Rumänien führte der historische Niedrigstand der Donau zur Abschaltung beider Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă.
Dass es auch früher heiße Sommer und einzelne Extremereignisse gab, ist kein Argument gegen die Existenz des Klimawandels. Entscheidend ist die langfristige Entwicklung von Häufigkeit, Dauer und Intensität solcher Ereignisse. Wer einzelne Wetterereignisse mit der langfristigen Klimaentwicklung gleichsetzt, verwechselt Wetter mit Klima.
Wetter oder Klima?
„Früher war es auch schon heiß.“ Das stimmt. Heiße Sommer, Dürren oder einzelne Extremereignisse sind keine neuen Phänomene. Entscheidend ist aber nicht, ob es solche Ereignisse schon einmal gab, sondern wie sich Häufigkeit, Dauer und Intensität solcher Ereignisse langfristig verändern.
Ein einzelner heißer Sommer sagt deshalb wenig über den Klimawandel aus. Erst der Blick auf viele Jahrzehnte zeigt, ob sich das Klima verändert. Genau das beobachten die Klimaforscher: Die Temperaturen steigen langfristig, und bestimmte Hitzeextreme treten häufiger und intensiver auf. Wetter ist das, was heute oder morgen passiert. Klima beschreibt, wie sich das Wetter über lange Zeiträume statistisch entwickelt.
Wenn die Tracht vertrocknet
In Deutschland hat der vergleichsweise niederschlagsreiche Frühling die Situation für die Imkerei in diesem Jahr offenbar teils noch abgefedert. Aus anderen Regionen Europas erreichen den Deutschen Imkerbund jedoch Berichte über veränderte Trachtbedingungen.
In einigen Regionen waren manche Sommertrachten durch Hitze und Trockenheit stark beeinträchtigt oder fielen komplett aus. Wo zuvor saftige Kleewiesen standen, blieben teilweise nur noch trockene, braune Flächen zurück.
Wie gravierend die Folgen für die Imkerei werden können, zeigt Rumänien: Dort wurde 2024 infolge extremer Wetterbedingungen ein Rückgang der Honigproduktion um rund 40 – 45 % berichtet. Bei der Akazientracht wurden regional sogar Einbußen von bis zu 70 % genannt.

Verdorrter Rasen statt bunter Blumenwiese.
Flammen und Wassermassen
Noch langfristiger wirken sich Waldbrände aus, wenn sie wichtige Trachtgebiete zerstören. So haben große Waldbrände 2021 in der türkischen Provinz Muğla und auf der griechischen Insel Euböa Pinienwälder und damit die Grundlage der dortigen Produktion von Pinienhonig zerstört. Zudem verbrennen bei solchen Bränden auch immer wieder ganze Bienenstände.
Als anderes Extrem können Überschwemmungen durch Starkregen für die Imkerei verheerende Folgen haben. Zum Beispiel waren durch das Sturmtief Daniel 2023 in Griechenland fast 10.000 Bienenstöcke von Überschwemmungen betroffen.
Nicht nur die Menge, auch die Nahrung verändert sich
Der Klimawandel verändert zudem die langfristige Nahrungsgrundlage der Bienen. Wenn Pflanzen unter starkem Wasserstress stehen, können Blüte und Nektarproduktion zurückgehen oder ausbleiben. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass steigende Temperaturen und geringere Niederschläge die Vielfalt und Verfügbarkeit von Nahrungsquellen für Honigbienen in Europa deutlich beeinträchtigen können. Damit können sich auch die Bedingungen für die Nahrungssuche verändern.
Auch die Qualität der Nahrung kann sich verändern. Eine Studie zeigte bereits 2016, dass erhöhte CO₂-Konzentrationen mit einem geringeren Proteingehalt von Goldrutenpollen verbunden waren. Auch über diesen Mechanismus kann der Klimawandel die Nahrungsgrundlage von Bestäubern beeinflussen.
Parasiten profitieren
Zudem können Parasiten und Schädlinge von veränderten klimatischen Bedingungen profitieren. Höhere saisonale Temperaturen können die Varroabelastung von Bienenvölkern erhöhen. Sie erleichtern zudem die weitere Ausbreitung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) in Europa, und mit Tropilaelaps kommt ein weiterer Parasit näher an die EU heran, der von einer fehlenden Brutpause im Winter profitieren würde.
Verschiebung von Flug- und Blühzeiten

Der Klimawandel kann die Zeiten, in denen bestimmte Wildbienenarten auftreten und in denen ihre Nahrungsquellen blühen, ungünstig verschieben.
Auch Wildbienen sind von den Veränderungen betroffen. Hitze und zunehmende Trockenheit können ihre Lebensbedingungen verschlechtern und die Zusammensetzung von Wildbienengemeinschaften verändern. Gleichzeitig verschieben sich die Flug- und Blühzeiten von Bestäubern und Pflanzen, sodass die zeitliche Abstimmung zwischen ihnen gestört werden kann.
Was die Landwirtschaft trifft, trifft auch die Imkerei
Die Folgen beschränken sich keineswegs auf die Imkerei. Die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission berichtet Ende Juli 2026 von verbreiteten Kulturschäden in Teilen West- und Mitteleuropas infolge wiederholter Hitzewellen und anhaltender Wasserdefizite. Die Ertragserwartungen unter anderem für Sonnenblumen wurden um 6 – 7 % nach unten korrigiert.
Klimaschutz braucht mehr Konsequenz
Der Deutsche Imkerbund beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Bereits beim Deutschen Imkertag 2022 in Hamburg hatten wir den Klimaforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf eingeladen, um über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel und seine Folgen zu sprechen.
Aus Sicht des Deutschen Imkerbundes braucht es angesichts der bereits sichtbaren Folgen des Klimawandels mehr Verlässlichkeit und Ambition beim Klimaschutz. Dazu gehört ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien und der notwendigen Infrastruktur. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geht hier in die falsche Richtung. Gleichzeitig muss die Landwirtschaftspolitik die Betriebe bei der Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen unterstützen. Wir benötigen eine widerstandsfähige Agrarlandschaft, vielfältige Nahrungsangebote für Bestäuber, gesunde Böden, einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und die Nutzung von Pflanzen, die dem Klimawandel standhalten.
Die bisherige Klimapolitik muss kritisch hinterfragt werden. Der Expertenrat für Klimafragen kommt in seiner Stellungnahme zum Klimaschutzprogramm 2026 zu dem Ergebnis, dass das Programm die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt und die darin enthaltenen Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen, um die nationalen Klimaschutzziele sicher zu erreichen.
Die Imkerei mag in Deutschland in diesem Jahr vielerorts noch glimpflich davongekommen sein. Das ist jedoch kein Entwarnungssignal. Die Erfahrungen aus anderen Regionen Europas zeigen, wie schnell sich die Bedingungen verändern können.
Die Klimakrise macht vor Landesgrenzen nicht halt. Was Bienen, Imkerinnen und Imker betrifft, betrifft am Ende die gesamte Gesellschaft.
Ungewöhnlich schnell
Die Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre lag während der vergangenen 800.000 Jahre im Rahmen der natürlichen Eiszeitzyklen deutlich niedriger als heute und schwankte dabei in einer Größenordnung von etwa 50 bis 100 ppm. Vor Beginn der Industrialisierung waren es rund 280 ppm. Heute liegt die globale Konzentration bereits bei rund 428 ppm.
Dabei geht es nicht nur um einen neuen Höchststand. Der heutige Anstieg erfolgt außergewöhnlich schnell. Untersuchungen von Eisbohrkernen zeigen, dass natürliche Veränderungen der CO₂-Konzentration in der Vergangenheit wesentlich langsamer verliefen als der seit der Industrialisierung beobachtete Anstieg.
Die Ursache dieses schnellen Anstiegs ist bekannt: Der Mensch setzt durch die Verbrennung fossiler Energieträger, Landnutzungsänderungen und andere Aktivitäten große Mengen Treibhausgase frei. Der Weltklimarat IPCC bewertet den menschlichen Einfluss auf die heutige Erwärmung deshalb als eindeutig.
