Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) entscheidet maßgeblich darüber, wie unsere Agrarlandschaft aussieht – und somit auch darüber, welche Lebens- und Nahrungsgrundlagen Bestäuber vorfinden. Ein neuer Bericht von BeeLife European Beekeeping Coordination nimmt die GAP unter die Lupe.
Was kommt von der Gemeinsamen Agrarpolitik bei den Bienen und in der Imkerei an? Welche Chancen bietet die GAP nach 2027? Der Bericht der Organisation BeeLife, in dessen Vorstand der Deutsche Imkerbund mitarbeitet, betrachtet nicht nur die speziellen Förderprogramme für Imkerinnen und Imker, sondern die gesamte GAP aus Sicht der Bestäuber. Denn das meiste Geld fließt nicht in die Imkerei, sondern in die Landwirtschaft. Dort entscheidet sich, ob blühende Lebensräume, Hecken und extensiv bewirtschaftete Flächen entstehen – oder ob Lebensräume für Bestäuber weiter verloren gehen.
Wie wird die Imkerei heute gefördert?
Alle EU-Mitgliedstaaten müssen Maßnahmen für die Imkerei in ihre GAP-Pläne aufnehmen. Dazu gehören unter anderem Beratung, Ausbildung und Wissenstransfer, Investitionen, Maßnahmen zur Bekämpfung von Krankheiten und zur Verbesserung der Produktqualität. Die Länder setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte. Besonders häufig gewählt wurde die Förderung von Beratung, technischer Unterstützung, Ausbildung und Austausch.
Für die laufende Förderperiode weist der Bericht insgesamt 285,66 Millionen Euro EU-Mittel für die Imkerei aus. Zusammen mit der nationalen Kofinanzierung stehen damit 610,1 Millionen Euro öffentliche Mittel zur Verfügung. Bulgarien, Italien und Luxemburg gehen beim nationalen Finanzierungsanteil über die vorgeschriebene Mindestbeteiligung hinaus.
Mehr Geld für Bienen
Der Bericht (in englischer Sprache) zeigt, dass vor allem Maßnahmen für Landwirtinnen und Landwirte große Wirkung entfalten können. Besonders relevant sind Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, Öko-Regelungen, der ökologische Landbau sowie Maßnahmen für eine vielfältigere Landschaft. Dazu gehören etwa Blühflächen, Hecken, extensive Grünlandbewirtschaftung, Agroforstsysteme und eine vielfältigere Fruchtfolge.
Wie unterschiedlich die Mitgliedstaaten ihre Möglichkeiten nutzen, zeigt der Blick auf die Zahlen: Italien kommt auf 104 bestäuberfreundliche Maßnahmen mit einem Gesamtbudget von 15,3 Milliarden Euro, Deutschland auf 32 Maßnahmen mit 12,8 Milliarden Euro und Frankreich auf 70 Maßnahmen mit 7,3 Milliarden Euro.
Allerdings gilt auch: Viele ökologisch besonders wirksame Maßnahmen erhalten bislang nur einen kleinen Teil des GAP-Budgets. Wir sehen darin ein großes ungenutztes Potenzial. Die Instrumente sind bereits vorhanden – sie müssen nur stärker genutzt und gezielter auf Bestäuber ausgerichtet werden.
Erfolg des D.I.B.: Bestäuber in der Gemeinsamen Agrarpolitik
Der D.I.B. hat es geschafft, dass der Schutz und die Förderung von Bestäubern erstmals ausdrücklich als Ziel von Umweltmaßnahmen im Vorschlag zur Parlamentsposition für die Gemeinsame Agrarpolitik der EU enthalten sind. Auch die Zusammenarbeit von Landwirten und Imkern hinsichtlich der Bestäubung und des Bienenschutzes ist nun als Ziel von Fördermaßnahmen im Vorschlag aufgeführt.
Was soll sich ab 2028 ändern?
Für die GAP nach 2027 schlägt die EU-Kommission eine deutlich veränderte Struktur vor. Aus den bisherigen zwei Säulen soll ein gemeinsamer Finanzierungsrahmen werden. Öko-Regelungen und Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sollen in einer gemeinsamen Umweltarchitektur zusammengeführt werden. An die Stelle der bisherigen Konditionalität soll ein neues „Farm Stewardship“-System treten.
Für die Imkerei kann das Chancen bieten. Gleichzeitig warnen wir davor, dass mehr Flexibilität für die Mitgliedstaaten auch zu weniger Verbindlichkeit führen könnte. Entscheidend werde deshalb sein, welche Maßnahmen tatsächlich finanziert und umgesetzt werden. Der D.I.B. hat sich hier bereits mit mehreren Forderungen und Vorschlägen eingebracht.
Der Bericht macht damit deutlich: Die Zukunft der Bestäuber entscheidet sich nicht allein im Fördertopf der Imkerei. Sie hängt ebenso davon ab, wie Landwirtschaft, Politik, Verwaltung und weitere Akteure die verfügbaren Instrumente nutzen. Der Deutsche Imkerbund bringt sich daher dafür ein, erfolgreiche Maßnahmen zu erhalten, Umweltmittel abzusichern und die Belange der Imkerei und der Bestäuber frühzeitig in die Verhandlungen über die GAP nach 2027 einzubringen (siehe Textkasten oben).
Lernen Sie die GAP mit diesem Online-Tool von BeeLife kennen.
