Honig muss Honig bleiben

Honig muss Honig bleiben

D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann war eingeladen, während einer internationalen Stakeholder-Veranstaltung zum Thema „Unterschiedliche Definitionen von Honig“ in Slowenien eine Stellungnahme für die Imkerschaft abzugeben. Sein Statement traf auf viel Zustimmung unter den Teilnehmenden. Die Veranstaltung fand im Rahmen des B-THENET-Treffens statt und wurde von der Apimondia organisiert.

Meine Damen und Herren,

wenn wir über die Definition von Honig sprechen, sollten wir mit einer einfachen Feststellung beginnen: Wir haben bereits eine klare internationale und europäische Definition von Honig.

Die Definition im Codex Alimentarius beschreibt Honig als ein natürliches Produkt, das von Honigbienen erzeugt wird. Die Bienen sammeln Nektar oder Honigtau, verändern ihn mit ihren eigenen Stoffen, lagern ihn ein, entziehen ihm Wasser und lassen ihn in der Wabe reifen.

Außerdem haben wir die EU-Honig-Richtlinie, die fast identisch ist. Das ist die Grundlage!

Wie einige Experten bereits in anderen Diskussionen bemerkt haben: Ja, einige Parameter müssen für Honig weiter untersucht, diskutiert und gesetzt werden, aber eins ist offensichtlich: Grundsätzlich verstehen alle sehr genau, was Honig ist. Es gibt aber Leute, die gerne betrügen möchten und daher mit den Wörtern und Begriffen der bestehenden Definitionen spielen. Honig ist jedoch ein Naturprodukt – und genau diese Eigenschaft müssen wir verteidigen.

Manchmal hören wir, die Verbraucher hätten in verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was Honig ist. Das sehen wir anders. Umfragen und wissenschaftliche Studien zeigen, dass die große Mehrheit der Verbraucher Honig als das sieht, was er ist: ein natürlichesund gesundes Produkt der Bienen. Das gilt im Übrigen auch für China. Die Verbraucher erwarten kein industriell hergestelltes, standardisiertes Produkt.

Natürlich unterscheiden sich Verbraucher darin, wie viel sie für Honig bezahlen wollen. Aber das bedeutet nicht, dass sie unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was Honig ist.

Wenn jemand ein anderes Produkt verkaufen möchte, steht das jedem frei. Aber dann sollte dieses Produkt auch einen anderen Namen tragen.Wir sollten die Definition von Honig nicht verändern, nur weil es für bestimmte Marktteilnehmer einfacher oder günstiger wäre, andere Produkte unter dem Namen „Honig“ zu vermarkten.

Vielleicht ist das ein radikaler Gedanke, aber vielleicht kann man Honig einfach nicht überall produzieren. Wir können diverse tropische Pflanzen nicht in Nordeuropa kultivieren. Analog kann auch gelten: Vielleicht kann man mit Apis mellifera in einigen Gebieten, in denen diese Art nicht heimisch ist, keinen Honig ernten. Das kann aber kein Grund dafür sein, dass wir unsere Definition und Qualitätsparameter von Honig als Lebensmittel ändern.

D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann: Honig muss Honig bleiben! Foto: Noa Simón Delso

Wir sehen seit einigen Jahren auf Ebene des Codex Alimentarius und der Internationalen Organisation für Normung Versuche, die Definition von Honig zu verändern. China verfolgt seit Jahren die Politik, internationale Normen stärker mitzugestalten, um seine Produkte auf dem Weltmarkt besser absetzen zu können. Wir sehen dies auch bei Bienenprodukten. Dabei wird China vor allem von Großbritannien als wichtigstem Abnehmer günstigen chinesischen „Honigs“ unterstützt. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass wirtschaftliche Interessen dieser Marktteilnehmer bestimmen, was Honig ist.

Wir müssen festhalten: Die Qualität des Honigs entsteht durch die Bienen – wir Menschen haben die Aufgabe, diese Qualität so gut es geht zu bewahren. Entsprechend sollten Imkerinnen und Imker stets auch in der Honigpflege geschult werden. So sollte Honig beispielsweise nicht stundenlang auf einem Marktstand in der prallen Sonne stehen. Auch bei der Anwendung von Varroaziden müssen wir darauf achten, dass die Qualität des Honigs nicht beeinträchtigt wird. Außerdem sollten Händler und Abfüller Honig nicht monatelang in ungeeigneten Räumlichkeiten oder gar im Freien lagern.

Entsprechend fordern wir als Deutscher Imkerbund auch in den Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, Anpassungen der Imkerei an den Klimawandel noch stärker zu fördern. Das gilt auch hinsichtlich des Produktschutzes.

Die richtige Antwort auf ein Qualitätsproblem sollte nicht sein, die Qualitätsanforderung zu verändern.

Qualität und Echtheit gehören für uns zusammen. Beides muss gemeinsam betrachtet werden, wenn wir die Qualität und Integrität von Honig schützen wollen. Bei einigen Qualitätsparametern ist die Datenbasis bereits sehr gut, bei anderen brauchen wir noch mehr Daten.

Gerade bei der Authentizitätsanalytik müssen wir aber deutlich schneller vorankommen. Wir brauchen eine bessere Harmonisierung der Methoden und eine Anerkennung geeigneter Methoden als amtliche Methoden auf EU-Ebene. Hier erwarten wir auch von den Laboren einen entsprechenden Einsatz. Zudem fordern wir ein EU-Referenzlabor – oder besser noch: ein europäisches Referenzzentrum – für Honig, um diesen Prozess zukünftig voranzutreiben und abzusichern.

Wir brauchen ein klares Bekenntnis von allen, die Honig vermarkten wollen, zum Honig als Naturprodukt und zu klaren Qualitätsanforderungen. Wir wollen klare Standards und verlässliche Methoden, mit denen diese Standards kontrolliert werden können. Deshalb ist unsere Position klar: Honig muss Honig bleiben.

Vielen Dank.