Nicht nur Honig gerät ins Visier von Fälschern – auch Bienenwachs. Aktuelle Daten des polnischen Labors Teper & Waś zeigen, wie verbreitet das Problem ist.
Bienenwachs bleibt in Europa knapp. Deshalb importieren Händler große Mengen in die EU. Darunter findet sich immer wieder verfälschte Ware. Wie schon beim Honig fällt ein Herkunftsland besonders auf: China.
Wachsqualität in Polen
Beim 7. Internationalen Symposium über Bienenprodukte stellte Ewa Waś vom Privatlabor HoneyLab Teper & Waś ihre Untersuchung zur Wachsqualität in Polen vor. In rund fünf Jahren analysierte das Labor 2.335 Proben von Wachs und Mittelwänden aus unterschiedlichen Quellen mittels Infrarotspektroskopie (FTIR-ART). Das Ergebnis: 31,3 % der Proben waren verfälscht. Meist blieb der Zusatz gering – knapp 84 % der betroffenen Proben enthielten nur drei bis fünf Prozent Fremdstoffe. Nur 5 % wiesen einen Anteil von über 50 % auf. Am häufigsten fand das Labor Paraffin.
Diese Zahlen zeigen: Reines Bienenwachs ist am Markt verfügbar. Die geringen Anteile an Paraffin sprechen eher für unbeabsichtigte Verunreinigungen, die in den Wachskreislauf eingeschleppt wurden, als für gezielte Fälschung.
Chinesische Ware: häufig verfälscht
Anders sieht es bei untersuchter Importware aus China aus. Das Labor bezog entsprechende Proben über das Internet und von chinesischen Ausstellern während des Apimondia-Kongresses. 5 von 9 getesteten Wachsproben enthielten erhebliche Mengen Paraffin – zwischen 30 und 90 %. Eine Probe war zusätzlich mit Stearin versetzt. Bei den Mittelwänden erwiesen sich nur zwei von elf Proben als unverfälscht ab; fast alle anderen Proben bestanden zu rund 90 % aus Paraffin. Diese Befunde sprechen für vorsätzliche Verfälschung.
Vorsicht beim Einkauf
Für den Imkereisektor fehlen bislang einheitliche Standards, klare rechtliche Regelungen und teilweise eine Qualitätskontrolle. Der Deutsche Imkerbund engagiert sich auch in diesem Feld und wird darüber zur gegebenen Zeit berichten. Bis dahin empfehlen wir weiterhin: Kaufen Sie Bienenwachs und Mittelwände nicht aus unbekannten Internetquellen. Prüfen Sie Angebote mit ungewöhnlich niedrigen Preisen kritisch und achten Sie auf vorhandene Qualitätszertifikate. Zudem lohnt es sich, einen eigenen offenen Wachskreislauf aufzubauen. Viele Vereine und Verbände unterstützen dabei, etwa mit Wachsküchen oder gemeinsamer Umarbeitung.
Der Wachsskandal
Ein Blick zurück zeigt, welche Folgen verfälschtes Wachs haben kann: Vor rund zehn Jahren gelangten große Mengen mit Stearin gestreckten Wachses aus China in mehrere EU-Staaten. Mittelwände daraus ließen Teile der Brut absterben und erzeugten ein mosaikartiges Brutbild. Gleichzeitig kamen Mittelwände in Umlauf – vermutlich aus Osteuropa – die fast vollständig aus Paraffin bestanden. Sie wurden schon bei Stocktemperatur weich und sackten zusammen. Imkerinnen und Imker in vielen EU-Ländern waren betroffen.
