Wie können Imkereien ihren Honig erfolgreich vermarkten? Wie zuverlässig lassen sich Fälschungen erkennen und wo liegen die Grenzen der amtlichen Kontrolle? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Echt. Heimisch. Fair. – Wie sieht der Honigmarkt der Zukunft aus?“ beim Deutschsprachigen Imkerkongress in Dresden.
Ein starker Partner für echten Honig
Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.), machte deutlich, dass der Verband auf unterschiedlichen Ebenen daran arbeitet, die Qualität und Echtheit von Honig zu sichern. Dazu steht der D.I.B. unter anderem mit dem Nationalen Referenzzentrum für authentische Lebensmittel, dem Gemeinsamen Forschungszentrum der EU-Kommission, verschiedenen Laboren sowie Bundes- und Landesbehörden und dem Bundesministerium im Austausch. Dabei bringt der Verband jeweils die Perspektive der Imkereipraxis ein, stellt entsprechende Forderungen und informiert seine Mitglieder über die Entwicklungen. Darüber hinaus ist der Verband an der Arbeit der EU-Honigplattform beteiligt und unterstützt Projekte wie das HarmHoney-Projekt, um Analysemethoden voranzubringen.
Ellmann forderte eine faktenbasierte Diskussion und eine klare Verpflichtung aller Marktteilnehmer, nur echten Honig anzubieten. Zugleich will der D.I.B. die Vermarktung stärken: Mit Kalkulationshilfen auf seiner Homepage unterstützt er Imkerinnen und Imker dabei, ihre Produktionskosten zu ermitteln und ihre Preise selbstbewusst festzulegen. Ellmanns Botschaft: „Mein Produkt ist das wert. Wir müssen wieder positiv über den Honig reden und nicht immer mit gesenktem Haupt durch die Gegend gehen.“
Einkaufspreise bleiben Geschäftsgeheimnis
Frank Filodda, Vorsitzender des Honig-Verbandes und Geschäftsführer eines Honigabfüllers, beschrieb einen Markt mit stark schwankenden Preisen: „Wir haben in einem Jahr Preisschwankungen von 50 bis 100 %, wie es auch bei anderen landwirtschaftlichen Produkten häufig der Fall ist.“ Auf die Frage nach konkreten Einkaufspreisen wollte er sich allerdings nicht festlegen: „Es gehört zu den Gepflogenheiten im Handel, nicht über Preise zu sprechen.“ Die Einkaufspreise würden an die Marktsituation angepasst; bei kleineren Liefermengen fielen höhere Prozesskosten an. Gleichzeitig betonte Filodda den besonderen Stellenwert deutschen Honigs für sein Unternehmen – einige andere Händler kauften dagegen überhaupt keinen Honig aus Deutschland.
Gegen Honigbetrug setze man auf ein engmaschiges Kontrollsystem: von der Auswahl der Lieferanten über Vorausanalysen und Eingangskontrollen bis hin zur Untersuchung von Proben aus sämtlichen Gebinden einer Lieferung. Dabei würden unterschiedliche Methoden eingesetzt. Eine Garantie, alle Fälschungen zu erkennen, gebe es allerdings nicht. Filodda verwies zudem auf die Bedeutung verlässlicher Lieferantenbeziehungen und eigener kaufmännischer Entscheidungen. Dabei betonte Filodda: „Wir arbeiten nicht mit Firmen in China zusammen.“
Der Weg ins Supermarktregal
Peter Leuer, Obmann für Qualitätssicherung des Landesverbandes Westfälischer und Lippischer Imker, zeigte, dass für Imkereien auch ein direkter Weg in den Lebensmitteleinzelhandel offensteht – sofern sie einige Anforderungen erfüllen. Die größte Hürde sei dabei die Dokumentationspflicht. Audits und ein funktionierendes Qualitätsmanagement sind wichtige Voraussetzungen, um den Honig im Supermarkt anbieten zu können. Leuer, der Imkereien bei der Qualitätssicherung begleitet, bewertete die bisherigen Ergebnisse positiv: „Die Qualität, die unsere Imker, die an den Audits teilnehmen, liefern, ist sehr gut.“ Für die Listung im Supermarkt brauche es genügend Honig, um das Regal kontinuierlich füllen zu können. Dabei könnten Zusammenschlüsse mehrerer Imkereien helfen, die notwendige Menge sicherzustellen.
Methoden für gerichtsfeste Beweise
Dr. Bertolt Kranz vom Nationalen Referenzzentrum für authentische Lebensmittel erläuterte, warum der Nachweis von Honigfälschungen für die amtliche Lebensmittelüberwachung anspruchsvoll ist. Die Kontrollen liegen in der Zuständigkeit der Bundesländer, die das Referenzzentrum fachlich unterstützt. Er räumte ein: „Die Privatwirtschaft ist uns in der Analytik einige Jahre voraus.“ Sie kann auf weiter entwickelte Analyseverfahren und teils eine große Datenbasis zurückgreifen, doch legen Unternehmen ihre Methoden und Daten nicht immer so offen, dass Behörden sie ausreichend bewerten und gerichtsfest einsetzen können. „Herr Filodda kann anhand von Untersuchungsergebnissen entscheiden, ob er einen bestimmten Honig kauft oder nicht“, erklärte Kranz. „Wenn aber die staatliche Lebensmittelkontrolle sagt, ein Honig sei verfälscht, muss sie in der Lage sein, offenzulegen, wie sie zu diesem Ergebnis kommt und dies vor Gericht darlegen können. Deshalb brauchen wir unsere eigenen Methoden und Datenbanken.“
Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission arbeite im HarmHoney-Projekt zurzeit an der Harmonisierung einer massenspektrometrischen Methode; ein weiterer Ringtest stehe bevor. Anschließend müsse das Verfahren normiert werden. Ziel seien standardisierte Methoden, deren Ergebnisse nachvollziehbar sind und die Behörden europaweit nutzen können. Der Prozess sei allerdings aufwendig und brauche Zeit. Kranz fasst zusammen: „Die Fälscher arbeiten weiter – wir aber auch!“
Echter Honig braucht gemeinsame Verantwortung
Ob echter Honig im Wettbewerb bestehen kann, entscheidet sich entlang der gesamten Lieferkette. Abfüller und Handel müssen heimischen Honig fair behandeln, und die Lebensmittelüberwachung braucht verlässliche Methoden, um Fälschungen aufzudecken. Dazu muss auch die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Der D.I.B. setzt dabei auf einen sachlichen, konstruktiven Austausch und hat sich als verlässlicher Partner etabliert.
