Die fünfte „Lange Nacht der Bienenwissenschaft“, die am 27. März per Livestream von über 5.000 Besuchern verfolgt wurde, bot Imkerinnen und Imkern sowie anderen Natur- und Wissenschaftsinteressierten spannende Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte.
Insgesamt wurden vier Fachvorträge präsentiert, die im Anschluss jeweils Raum für die Beantwortung von Fragen aus dem Chat boten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Marika Harz, Landwirtschaftskammer NRW. Die Begrüßung sprach Torsten Ellmann, Präsident des Deutschen Imkerbundes e. V.

Den Auftakt für die Vorträge machte Dr. Irmgard Koch, Landwirtschaftskammer NRW, mit einem Vortrag zum Thema Vespa velutina. Im Mittelpunkt stand ein Verbundprojekt, das sich intensiv mit diesem Themenkomplex beschäftigt. Frau Koch stellte zunächst die beteiligten Institutionen und Partner vor und erläuterte deren jeweiligen Aufgaben innerhalb des Projekts. Dabei wurde deutlich, wie interdisziplinär die Zusammenarbeit angelegt ist.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf den methodischen Ansätzen sowie den bisherigen Untersuchungen, von denen man sich im Hinblick auf Verhalten, Entwicklung und mögliche Ausbreitung von Vespa velutina weitere Erkenntnisse erhofft.
Im Anschluss an den Vortrag wurden einige Fragen, die sich vor allem mit der Ausbreitung der Asiatischen Hornisse, den Möglichkeiten des mechanischen Schutzes an den Beuten sowie auf die Größe und Entwicklung von Nestern bezogen, behandelt. Die Referentin konnte mit ihren Antworten viele Aspekte ausführlich erläutern.
Der zweite Vortrag wurde von Dr. Richard Odemer vom Institut für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut gehalten und befasste sich mit dem dreijährigen Projekt „FInAL-Landschaftslabore in Deutschland“.

Ziel dieses Ansatzes ist es, das Zusammenspiel von Landschaft, landwirtschaftlicher Bewirtschaftung und Insektenförderung systematisch zu untersuchen. Dabei dienen Honigbienen als Bioindikatoren für das Ressourcenangebot in der Agrarlandschaft.
Ein Aspekt des Projekts besteht darin, dass den Bienenvölkern kein Honig entnommen wird. Stattdessen wird analysiert, wovon sich die Völker im Verlauf des Jahres ernähren. Mithilfe von Stockwaagen konnten kontinuierlich Daten erhoben werden, die Rückschlüsse auf Trachtverhältnisse und Nahrungsangebot zulassen. So lässt sich nachvollziehen, in welchen Zeiträumen ausreichend Ressourcen vorhanden sind und wann mögliche Versorgungslücken auftreten. Auch etwaige Pflanzenschutzmittel-Rückstandsanalytik sowie die Volksstärke vor dem Winter spielen bei den Untersuchungen eine Rolle. Für alle untersuchten Standorte konnte erfreulicherweise eine vergleichbare Entwicklung der Völker festgestellt werden. Die Eintragsmengen (bis 11 kg pro Tag im Maximum) dagegen unterschieden sich teilweise erheblich.

Dr. Hanna Gardein, ebenfalls Institut für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut, beschäftigte sich in ihrer Dissertation mit den Gründen für das aggregierte Nisten bei Solitärbienen und stellte diese in DLNDB anschaulich dar. Die Wissenschaftlerin stellt anfangs heraus, dass es etwa 604 Wildbienenarten in Deutschland gibt, davon sind ca. 75 % bodennistende Arten.
Es wurde festgestellt, dass die Nester von vielen Wildbienenarten oft nah beieinander liegen. Für die Studie wurden die Große Weidensandbiene sowie 27 Standorte im urbanen Raum in Braunschweig ausgewählt.
Zu den untersuchten Parametern zählten bestimmte Ansprüche an die Standorte, beispielsweise an Bodenart und Bodentemperatur, sowie die Entfernung zum Nahrungsangebot (hier vor allem Weidenbäume). Auch die Rolle der höheren Nestdichte im Bezug auf die Parasitenabwehr und die Landschaftsgestaltung wurde beleuchtet. Hier konnte keine Ursache für das aggregierte Nisten festgestellt werden. Eine weitere Hypothese lag im Symbiontenerwerb — dazu wurden bestimmte Hefen in den Därmen der Bienen identifiziert. Diese können zur Brutzelldesinfektion nützlich sein. Abschließend teilte Dr. Gardein mit, dass die Große Weidensandbiene eine Standorttreue aufweist, indem sie da, wo sie schlüpft, in der Nähe auch wieder selbst ein Nest baut. Auch die vereinfachte Partnersuche in der Nähe anderer Individuen derselben Art könnte mit zu den Gründen zählen.
Mit einem praktisch orientierten Thema befasste sich Johnny-Gordon Quintel, LAVES — Institut für Bienenkunde Celle, in seiner Imkermeisterarbeit; hier ging es um „Drei verschiedene Rührmethoden“. Zu den Fragestellungen zählten: der Zeitpunkt des Rührens, die Impfmenge sowie eine Untersuchung, ob der Rühraufsatz Rapido eine Alternative zum Rührfass darstellt.

Kurz vor Mitternacht ging ein spannender und interessanter Vortragsabend zu Ende. Unser Dank geht an Frau Dr. Marika Harz, Vorsitzende der AG der Bieneninstitute, und an die engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wir freuen uns auf die sechste Lange Nacht der Bienenwissenschaft im nächsten Jahr.
