Die Grüne Woche ist mehr als eine Verbrauchermesse. Sie ist auch ein Ort intensiver Gespräche mit der Politik. Der Deutsche Imkerbund empfing zahlreiche Politikerinnen und Politiker an seinem Stand, um über die Anliegen der Imkerei zu sprechen.
Wer auf der Grünen Woche arbeitet, weiß: Am Ende des Tages ist die Stimme oft heiser. Viele Fragen wollen beantwortet, viele Gespräche geführt werden – mit Besucherinnen und Besuchern ebenso wie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung. Wie in den vergangenen Jahren nutzte der Deutsche Imkerbund die Gelegenheit, um zentrale Themen der Imkerei auf die politische Agenda zu setzen.
Von Agrarpolitik bis Honigmarkt
Im Austausch mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen und Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf bekräftigten wir unsere Forderung nach einem festen Förderbudget für die Imkerei innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik. Elisabeth Werner, EU-Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, verwies darauf, dass im kommenden mehrjährigen Finanzrahmen mehr Mittel für den Umweltschutz bereitgestellt werden können. Nun liegt es allerdings an den Mitgliedstaaten und dem Parlament, die über die Verteilung entscheiden. Der Deutsche Imkerbund fordert hier Mindeststandards für alle Mitgliedstaaten.
Ein weiteres zentrales Thema war der Honigmarkt. Diskutiert wurde, wie Honigbetrug auf EU- und Bundesebene wirksamer bekämpft und der Honigabsatz gefördert werden kann. Dazu kamen wir in Berlin auch mit dem Lebensmitteleinzelhandel ins Gespräch. Darüber hinaus haben wir die Stände von Imkereibetrieben aus anderen Ländern besucht, um uns über die dortige Lage der Imkerei zu informieren.



Imkerinnen und Imker aus Kroatien (li.), Litauen, Bulgarien and anderen Ländern berichteten uns jeweils von ihrer Lage. Die Berichte waren recht unterschiedlich.
Vespa velutina und Aufstellverbote
Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschafts- und Umweltpolitik sprachen wir über die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) und über Aufstellverbote von Bienenvölkern in Naturschutzgebieten. Wir äußerten unseren Unmut darüber, dass Bienenstände auf einigen staatlichen Flächen, die einst Naturschutzorganisationen zur Pflege übergeben wurden, pauschal ausgeschlossen werden – auch dort, wo es keine fachliche Grundlage dafür gibt. In Fällen, in denen Wildbienenpopulationen untersucht wurden, zeigen sich diese trotz jahrzehntelanger Imkerei gut entwickelt. Wir danken Staatssekretär Jochen Flasbarth sowie den Bundestagsabgeordneten Dunja Kreiser und Hermann Färber für ihren Besuch bei uns am Stand.

Eine Delegation aus Baden-Württemberg berät über die Bekämpfung von Vespa velutina.
Neue Genomische Techniken
Großen Raum nahm auch die Diskussion um neue genomische Techniken in der Pflanzenzucht ein. Der Deutsche Imkerbund hat sich intensiv dafür eingesetzt, eine vollständige Deregulierung zu verhindern. Unsere Standpunkte haben wir unter anderem mit Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, und Stephanie Franck, Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter, ausgetauscht. Derzeit stehen wir hierzu mit mehreren EU-Parlamentariern im Austausch und unterstützen andere europäische Imkerverbände bei ihrer politischen Arbeit zu diesem Thema.
Bienengesundheit
Mit Vertretern des Julius Kühn-Instituts, darunter Prof. Dr. Frank Ordon und Dr. Jens Pistorius haben wir uns über den Vorschlag der EU-Kommission ausgetauscht, die Genehmigung von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln zukünftig für eine unbegrenzte Zeit zu erteilen. Unsere Ablehnung dieses Vorschlags haben wir unter anderem gegenüber der EU-Parlamentarierin Terry Reintke bekräftigt.
Apimondia 2029
Mit der Ausrichtung des Apimondia-Kongresses 2029 haben wir auch Verpflichtungen übernommen. Dazu zählen neben der Organisation des Kongresses ein Messestand sowie ein „Deutscher Abend“ auf der Apimondia 2027 in Dubai. Um diese Aufgaben bewältigen zu können, haben wir mit Mitarbeitenden des BMELH ausgelotet, welche Unterstützung von Bundesseite möglich ist. Zudem gilt es, einen Schirmherrn für den Kongress zu finden.
Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, wollten wir alle Gespräche im Einzelnen schildern. Wir sehen das Ergebnis der zehn Tage Grüne Woche insgesamt sehr positiv und werden die begonnen Gespräche weiterführen. Neben vielen bewährten Kontakten konnten wir auch neue knüpfen – darüber haben wir uns sehr gefreut. Unser Dank gilt allen, auch den Landespolitikerinnen und -politikern, die unseren Stand besucht und ihre Bereitschaft signalisiert haben, unsere Anliegen zu unterstützen.
