Wissenschaft und Praxis im Dialog: D.I.B.-Arbeitstagung der Züchter

Wissenschaft und Praxis im Dialog: D.I.B.-Arbeitstagung der Züchter

Am 1. November 2025 fand an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg (LVG) eine hochkarätig besetzte Arbeitstagung für interessierte Imkerinnen und Imker sowie Züchterinnen und Züchter statt. Unter der Organisation der D.I.B.-Akademie und des Zuchtbeirats des D.I.B., Leo Famulla, versammelten sich über 120 Teilnehmer, um sich zum Thema „Krankheiten und Schädigungen bei Königinnen und Drohnen – Einfluss von Krankheiten auf die Aufzucht von Königinnen“ auszutauschen.

D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann eröffnete die Veranstaltung und präsentierte zunächst ein Video zur Apimondia-Bewerbung. Mit Betonung der Bedeutung verbandsübergreifender Zusammenarbeit leitete er anschließend zu einem vielfältigen Vortragsprogramm über. Dieses bildete sowohl grundlegende wissenschaftliche Aspekte (Virus, Pathologie, Gesundheitsdiagnosen) als auch Elemente angewandter Zuchtpraxis ab (Drohnenaufzucht, Fruchtbarkeit, Besamung, Belegstellen).

Die Vortragenden referierten zu verschiedenen Fragestellungen rund um die Bereiche  Bienengesundheit, Zucht und Praxis.
Die Details im Überblick:

Den Auftakt machte Dr. Marina Meixner (LLH Bieneninstitut Kirchhain) mit einem Vortrag zu „Viruserkrankungen bei Königinnen und Drohnen – eine Gefahr für erfolgreiche Zuchtarbeit?“.

Im Anschluss daran widmete sich Dr. Jakob Wegener den „Nicht krankheitsbedingten Ursachen von Fruchtbarkeitsstörungen bei Drohnen und Königinnen“ und lenkte damit den Blick auf weitere zentrale Faktoren wie Genetik, Haltung und Umwelt.

Anschließend beleuchtete Albrecht Stoß (Zuchtobmann im LV Thüringer Imker) die anwendungsorientierte Seite praktischer Zuchtarbeit mit seinem Beitrag zur „Praxis der Drohnenaufzucht für künstliche Besamung und Belegstellen“.  Dabei verdeutlichte er, dass eine qualitativ hochwertige Drohnenaufzucht eine wesentliche Säule für den Zuchterfolg darstellt.

Einen umfassenden Blick auf den Gesundheitszustand der Bienen warf danach Dr. Christoph Otten (Fachzentrum Bienen und Imkerei Mayen) in seinem Vortrag „Von gesunden und kranken Bienen: Was wir wissen und nicht wissen“.

Abschließend vertiefte Dr. Linde Morawetz (AGES – Abteilung Bienenkunde, Wien) den Themenkomplex Viruserkrankungen und betonte in ihrem Referat „Viren im Bienenvolk – ein Partikel macht noch keine Krankheit“, dass der bloße Nachweis eines Virus nicht zwangsläufig mit einer klinischen Erkrankung gleichzusetzen sei. Diese Differenzierung ist grundlegend für eine vernünftige Gesundheitsbewertung und kann den unkritischen Einsatz von Behandlungsmitteln reduzieren.

Ganzheitlicher Ansatz für eine nachhaltige Zucht

Die Erkenntnis, dass ein Virusnachweis nicht automatisch eine Erkrankung bedeutet, zeigt, wie wichtig differenzierte Diagnosen und eine vorsichtige Interpretation von Testergebnissen sind. Gerade wenn man langfristig auf chemische Behandlungsmittel verzichten möchte, ist dies entscheidend. Für Imker/innen  und Züchter/innen folgt daraus, dass bei der Zucht von Königinnen und Drohnen nicht nur auf Krankheiten getestet werden sollte. Vielmehr ist ein umfassendes Gesundheits- und Managementkonzept notwendig, das neben Gesundheitskontrollen und genetischer Auswahl auch eine sorgfältige Zuchtplanung und Aufzucht umfasst.

Die Tagung machte somit eindrücklich klar, dass eine erfolgreiche und zukunftsfähige Königinnen- und Drohnenzucht einen ganzheitlichen Ansatz erfordert. Sie muss über die reine Schadensdiagnose hinausgehen und Faktoren wie Vitalität, Fruchtbarkeit, genetische Auslese, optimierte Aufzuchtbedingungen und Umweltfaktoren integrieren.

Fazit: Die gelungene Verknüpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen – insbesondere zur komplexen Rolle von Viren sowie zur Bienenpathologie – mit praxiserprobten Zuchtmethoden schafft ein tragfähiges Fundament für eine robuste und nachhaltige Zuchtarbeit. Als essenzieller Beitrag zur Gesunderhaltung der Bienenvölker insgesamt.

Dank und Dokumentation

Der Zuchtbeirat bedankt sich bei allen Referentinnen und Referenten für ihre fundierten Beiträge. Ein besonderer Dank gilt dem Landesverband Badischer Imker, insbesondere Frau Dr. Krewenka (Geschäftsführung), Leon Reinhold und Thomas Kreuzer (Imkerschule), für die exzellente organisatorische Unterstützung vor Ort. Die Vorträge wurden durch die Mediengruppe der AG-Toleranzzucht unter Leitung von Mike Bandte aufgezeichnet und werden nach Bearbeitung auf dem YouTube-Kanal der AG-Toleranzzucht verfügbar sein.