Honigbienen stehen immer wieder unter Verdacht, Wildbienen mit Viren zu infizieren. Eine neue Feldstudie widerspricht dieser These. Nicht Honigbienen-Viren, sondern spezifische Wildbienen-Viren beeinträchtigen die Fitness der untersuchten Wildbienen.
Die Frage ist einfach – und politisch aufgeladen: Machen Honigbienen Wildbienen krank, weil sie an Blüten Viren hinterlassen? Dieser Frage gingen Forschende aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland in einer gemeinsamen Feldstudie nach. Dazu untersuchten sie nistende Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) an sieben Standorten in der Nordostschweiz. Sie prüften, wie die Viruslast das Sammelverhalten der Muttertiere oder die Anzahl und das Gewicht ihrer Nachkommen beeinflusst. Dabei unterschieden die Forschenden zwei Virusgruppen: Viren, die oft bei Honigbienen vorkommen, und sogenannte residente Viren, die bisher nur bei Osmia-Arten nachgewiesen wurden.
Honigbienen-Viren ohne messbaren Effekt
Das Ergebnis ist eindeutig: Die untersuchten Honigbienen-Viren wurden zwar in den Mauerbienen gefunden, jedoch in deutlich geringeren Mengen. Vor allem aber: Sie hatten – im Gegensatz zu den residenten Viren – keinen nachweisbaren Einfluss auf einen der gemessenen Fitnessparameter. Weder das Überleben der Nachkommen noch deren Körpermasse oder das Geschlechterverhältnis änderten sich. Auch das Sammelverhalten der Weibchen blieb unbeeinflusst.
Ebenso wichtig: Die lokale Dichte von Honigbienen hatte keinen Einfluss auf die Viruslast der Wildbienen. Ein Zusammenhang zwischen Honigbienenpräsenz und einer gesundheitlichen Beeinträchtigung der Mauerbienen ließ sich nicht feststellen.
Bestätigung früherer Studien
Zuvor hatten bereits mehrere Studien gezeigt, dass Honigbienen-Viren zwar bei Wildbienen nachweisbar sind, aber in der Regel keine messbaren Fitnessverluste verursachen. So blieb in experimentellen Infektionen die Überlebensrate solitärer Wildbienen unverändert, obwohl die gleichen Virusmischungen für Honigbienen schädlich waren. Auch bei Hummeln führten Honigbienenviren unter Feldbedingungen nicht eindeutig zu geringerer Überlebenswahrscheinlichkeit oder vermindertem Koloniewachstum.
Die vorliegende Studie bestätigt diese Befunde nun für eine solitär lebende Wildbienenart unter kontrollierten Feldbedingungen. Sie zeigt: Mit Honigbienen assoziierte Viren können präsent sein, ohne Schaden zu verursachen. Damit fügt sich die Arbeit schlüssig in ein wachsendes Bild ein: Virusnachweise an Blüten oder in Wildbienen belegen Austausch – nicht zwangsläufig Krankheit.Formularbeginn
Quellen
Hauptstudie
Maurer, C., Yañez, O., Schauer, A., Neumann, P., Vanbergen, A. J., Schweiger, O., Paxton, R. J., Szentgyörgyi, H., Pellissier, L. & Albrecht, M. (2026). Resident viruses, but not honeybee-associated viruses, impair solitary bee fitness in the field. Proceedings of the Royal Society B, 293: 20251940. https://doi.org/10.1098/rspb.2025.1940
Weitere relevante Studien
Bosco, L. et al. (2024). Landscape structure affects temporal dynamics in the bumble bee virome: landscape heterogeneity supports colony resilience.
Science of the Total Environment 946: 174280. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2024.174280
Dolezal, A. G. et al. (2016). Honey bee viruses in wild bees: viral prevalence, loads, and experimental inoculation. PLoS ONE 11: e0166190. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0166190
Tehel, A., Streicher, T., Tragust, S. & Paxton, R. J. (2020). Experimental infection of bumblebees with honeybee-associated viruses: no direct fitness costs but potential future threats. Royal Society Open Science 7: 200480. https://doi.org/10.1098/rsos.200480
Streicher, T., Tehel, A., Tragust, S. & Paxton, R. J. (2023). Experimental viral spillover can harm Bombus terrestris workers under field conditions. Ecological Entomology 48: 81–89. https://doi.org/10.1111/een.13203
