Droplegs: Unter statt in die Rapsblüte

Droplegs: Unter statt in die Rapsblüte

Winterraps ist vor allem im Norden und Osten Deutschlands eine zentrale Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen. Wird der Bestand während der Blüte gespritzt, kommen die Tiere zwangsläufig mit den Wirkstoffen in Kontakt – und diese finden sich später auch in ihren Vorräten. Mithilfe sogenannter Droplegs lässt sich eine Behandlung in die Blüte vermeiden.

Fährt Landwirt Werner Ruisinger mit der Spritze durch sein Rapsfeld, ragen die Spritzdüsen an langen, beweglichen Stangen tief in den Bestand hinein. Die Pflanzenschutzmittel werden unterhalb der Blüten ausgebracht – genau dort, wo sie wirken sollen. Die Technik ist nicht neu: Droplegs werden auch im Gemüseanbau eingesetzt und wurden im Raps bereits mehrfach erfolgreich erprobt.

Überzeugt in der Praxis

Der Augsburger Landwirt berichtete auf der Grünen Woche von seinen Erfahrungen: „Es gibt fast keine Nachteile. Der Wirkstoff kommt dorthin, wo er hin soll, und die Bienen geraten nicht damit in Kontakt.“ Zudem mache das Verfahren unabhängiger vom Wetter. „Man kann auch bei höherer Windgeschwindigkeit behandeln, ohne dass Abdrift auftritt“, erklärt Ruisinger, der rund 50 ha Raps anbaut. Auch bei hohen Temperaturen bleibe der Wirkstoff gut wirksam, da im Bestand eine günstige Luftfeuchtigkeit herrsche und kaum direkte Sonneneinstrahlung vorkomme.

Imker Matthias Meidel und Landwirt Werner Ruisinger auf der Bühne des Erlebnisbauernhofes während der Grünen Woche 2026 in Berlin.

Ein Gewinn für die Imkerei

Für die Imkerei liegt der Vorteil auf der Hand. Untersuchungen der Universität Hohenheim zeigen, dass die Vorräte von Bienenvölkern nach einer Behandlung mit Droplegs deutlich geringer belastet sind als nach einer konventionellen Ausbringung. Zwar können bei systemisch wirkenden Pflanzenschutzmitteln auch beim Dropleg-Verfahren Wirkstoffe in die Blüten einwandern, im Honig lassen sich dann jedoch – wenn überhaupt – nur geringe Spuren nachweisen.

Kosten bremsen den Dropleg-Einsatz

Trotz der positiven Ergebnisse und der Empfehlung durch die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen werden Droplegs im Raps bislang selten genutzt. Ein wesentlicher Grund sind die Kosten. Der Landesverband Bayerischer Imker investierte deshalb rund 20.000 Euro, um zwei Landwirte mit den Droplegs auszustatten, wie Matthias Meidel, Vorsitzender des Bezirksverbands Unterfranken, berichtete. Der anschließend untersuchte Rapshonig zeigte keine Rückstände oder lediglich Mengen nahe der Nachweisgrenze.

Schonend für den Bestand

Schäden an den Rapspflanzen konnte Ruisinger – wie auch in den Hohenheimer Versuchen – nicht feststellen. Dank der flexiblen Befestigung gleiten die Stangen sauber durch den Bestand. „Man muss vielleicht etwas langsamer fahren, aber das fällt kaum ins Gewicht“, sagt er. Anspruchsvoller sei die erste Montage: Die Spritze müsse sich weiterhin zusammenklappen lassen, und die vielen Schrauben kosteten Zeit. Zwei bis drei Stunden seien realistisch. Eine überschaubare Hürde – gemessen an den Vorteilen, die Droplegs für Landwirtschaft und Imkerei bieten.

Kein Drohneneinsatz ohne Bewertung

Der Deutsche Imkerbund setzt sich seit Langem für moderne Applikationstechniken ein, die landwirtschaftliche Produkte sicherer machen und Umwelt sowie Nichtzielorganismen schonen. Dem Verband Bayerischer Imker danken wir für seine Initiative, um die Droplegs wieder ins Gespräch zu bringen. Zugleich führen wir politische Gespräche über den Einsatz moderner Verfahren mit dem Ziel, den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu senken.

Kritisch sehen wir allerdings den Vorschlag der EU-Kommission, die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln per Drohne ohne vorherige Bewertung durch die Mitgliedstaaten zuzulassen. Studien zeigen, dass Drohnen je nach Einsatz die Abdrift erhöhen kann; zudem waren in Studien teils Nachbehandlungen nötig – mit entsprechend höherem Mitteleinsatz.