Mitte März fuhren Vertreter des D.I.B. zum Treffen der Honig-Arbeitsgruppe der Landwirtschaftslobby Copa-Cogeca nach Brüssel, um über aktuelle Themen des Imkereisektors zu diskutieren.
Die Treffen dienen dazu, sich über die Situation in den unterschiedlichen Mitgliedstaaten auszutauschen. Dabei zeigten sich verschiedene Entwicklungen in den Ländern. Aber die Sorge um erhöhte Winterverluste war nahezu von überall zu hören. Die Lage auf dem Honigmarkt scheint sich in einigen Ländern zu entspannen, aber nicht überall.

D.I.B.-Präsident Torsten Ellmann (links) mit Yvan Henion, Präsident der Honig-AG der Copa-Cogeca
Aus Frankreich wurde von Problemen im vergangenen Jahr bei der Vermarktung des Honigs im Großhandel berichtet. Der Verkauf sei um 4,5 % zurückgegangen. Momentan sehe es nach leicht erhöhten Winterverlusten aus.
Gute Ernte von Robinienhonig, aber keine Abnehmer
In Ungarn freuten sich die Imkerinnen und Imker über eine gute Robinienernte. Insgesamt sei 2024 aber ein durchschnittliches Erntejahr gewesen. Inzwischen konnten die Imkereien aber ihre Lagerbestände an Blütenhonig aus den letzten drei Jahren verkaufen – bis auf den Robinienhonig. Aufgrund der Ernteausfälle in den vergangenen Jahren mussten die ursprünglichen Hauptabnehmer, wie Deutschland und Frankreich, auf andere Honige umschwenken. Die Winterverluste in Ungarn werden voraussichtlich recht hoch ausfallen. Der Verband schätzt, dass nur ein Drittel der Völker aus dem Winter kommen wird. Viele Imkereien hätten Varroa aufgrund der langen Saison nicht im Griff gehabt.
Vertreter aus Italien berichteten über zunehmende Probleme bei der Produktion von Honig. Das vergangene Jahr hätte schlecht begonnen, danach konnten die Imkereien aber noch etwas aufholen. Nach Jahren der Stagnation kommen aus dem Großhandel wieder positive Signale beim Honigverkauf. Auch im Einzelhandel hatte sich die Situation verbessert, sodass die Lagerbestände der Imkereien zurückgingen. Die Imkerinnen und Imker würden nun allerdings hohe Völkerverluste verzeichnen. Die Ursache sahen die Vertreter darin, dass die Varroamedikamente nicht mehr ausreichend wirken würden. Zudem würden die invasiven Hornissenarten Vespa velutina und Vespa orientalis Probleme bereiten.
Unterschiedliche Entwicklungen in punkto Völkerzahl
Die Imkerinnen und Imker in Polen verzeichneten 2024 eine gute Honigernte, aber viele Imkereien hätten Probleme, ihren Honig zu verkaufen. Zugleich wächst die Zahl der Bienenvölker in Polen immer weiter und erreiche nun 2,4 Mio. Bienenvölker. Als Hauptprobleme wurden Honig- und Wachsverfälschung genannt.
In Schweden fiel die Ernte aufgrund des schlechten Wetters eher gering aus. Zudem nehme dort die Zahl der Imkereien ab. In den Lagern befände sich kein schwedischer Honig, aber die Verkaufspreise seien immer noch gering. Auch im Norden werden hohe Winterverluste erwartet.
In der Tschechischen Republik lag die Ernte 2024 über dem Durchschnitt. Die Preise seien stabil. Allerdings würden aufgrund der langen Saison nun Winterverluste von 20 bis 40 % der Bienenvölker erwartet. Inzwischen scheint es auch Fälle von Resistenzen der Milben gegen Fluvalinat zu geben. Außerdem nehme die Zahl an Fällen von Amerikanischer Faulbrut zu.
Aus Österreich wurden Probleme mit Melezitose-Honigen in den Waldgebieten gemeldet. Gebietsweise werden 50 bis 100 % Winterverluste erwartet. Dabei scheinen die Erreger Nosema cerana sowie eine bestimmte Version des Bienenparalyse-Virus eine Rolle zu spielen.