Imkerei benötigt stimmige Politik

Imkerei benötigt stimmige Politik

Die Imkerei braucht endlich eine Politik aus einem Guss. Unser neues Positionspapier von BeeLife zeigt, warum abgestimmte Rahmenbedingungen über ihre Zukunft entscheiden.

Bienen ermöglichen die Produktion von Lebensmitteln, während Imkerinnen und Imker dafür sorgen, dass es den Bienen gut geht. Doch ihre wirtschaftliche Grundlage hängt von vielen Faktoren ab: von der Landwirtschaft in der Umgebung, einer intakten Umwelt, gesunden Bienen und einem funktionierenden Honigmarkt. Bis heute fehlt jedoch eine kohärente Politik für die Imkerei, die all diese Punkte berücksichtigt. Auf dieses zentrale Problem macht das neue Positionspapier von BeeLife aufmerksam, an dessen Erstellung der Deutsche Imkerbund mitgewirkt hat.

Viele Politikerinnen und Politiker sind zwar bereit, sich für die Imkerei einzusetzen, doch wenn es um die wichtigen Rahmenbedingungen für die Imkerei in der Umwelt- und Landwirtschaftspolitik geht, stimmen sie teilweise gegen die Interessen der Imkerei. Dieses unvorteilhafte Verhalten hat sich seit der letzten Wahl und den damit veränderten Fraktionsstärken im Europaparlament deutlich verschärft.

Imkereien unter Druck

Imkerinnen und Imker arbeiten in der Regel nicht auf eigenem Land. Sie sind darauf angewiesen, dass in der Umgebung ihrer Bienenstände genügend Blüten wachsen, dass Pflanzenschutzmittel verantwortungsvoll eingesetzt werden und dass für die Bienen schädliche invasive Arten bekämpft werden. Gleichzeitig tragen sie die Folgen, wenn genau das nicht passiert: Völkerverluste, höhere Kosten für Völkerersatz oder Notfütterungen, Qualitätsprobleme bei Honig und letztlich Einkommensverluste.

Widersprüchliche Politik

Die Analyse zeigt: Der Rückgang von Bestäubern und die wirtschaftliche Fragilität der Imkerei liegen nicht an fehlenden Regelungen. Es gibt viele – aber sie greifen nicht ineinander. Landwirtschaftspolitik, Chemikalienrecht, Naturschutz, Marktregeln und Innovation wirken oft in unterschiedliche Richtungen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: der Markt. Verfälschte und minderwertige Honigimporte drücken massiv die Preise. Die EU-Aktion „From the hives“ hat gezeigt, dass rund die Hälfte untersuchter Proben von Importhonigen vermutlich nicht den Vorschriften entsprach. Betrug ist damit kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Bedrohung für die Einkommen der Imkereien.

Wir fordern

  • abgestimmte Politik über alle relevanten Bereiche hinweg
  • Anerkennung der Bestäubungsleistung als öffentliches Gut der Landwirtschaft
  • wirksamer Schutz vor Honigbetrug und unfairen Handelspraktiken
  • sichere Rahmenbedingungen für gesunde Bienen und saubere Produkte
  • Monitoring, das Bienen­gesundheit, Ernährung und Produktqualität gemeinsam betrachtet

Eine Frage der Zukunftsfähigkeit

Das politische Ziel, den Imkereisektor in der EU zu stärken und sein Wachstum zu fördern, kann nur erreicht werden, wenn den Bienen eine gesunde Umwelt geboten wird und die Imkerinnen und Imker vor Betrug und unfairen Marktpreisen geschützt werden.

Die Imkerei muss als vollwertiger landwirtschaftlicher Sektor behandelt werden – nicht als Randthema. Wer die Imkerei stärkt, stärkt die Landwirtschaft insgesamt. Eine Politik aus einem Guss ist dafür die Voraussetzung.

Bee Score – Wer macht kohärente Bienenpolitik?

Unser Ruf nach kohärenter Bienenpolitik ist nicht neu. BeeLife hatte 2024 zur Europa-Wahl den Bee Score eingeführt. Die Internetseite bee‑life.mepwatch.eu ist weiterhin online. Sie bietet ein interaktives Tool zur Analyse des Abstimmungsverhaltens der damaligen Mitglieder des Europäischen Parlaments in Bezug auf bestäuberrelevante Themen.

Man kann die Ergebnisse nach Land, Partei oder individuellen Abgeordneten filtern. So wird schnell deutlich, wie bienenfreundlich die Entscheidungen von Abgeordneten, Parteien und Fraktionen über die vergangene Legislaturperiode waren. Die Bewertungen basieren auf Stimmen zu zentralen EU‑Initiativen, wie der Bestäuberinitiative, Wiederherstellung der Natur und zur Gemeinsamen Agrarpolitik.