EU-Liste invasiver Arten: noch eine Hornissenart?

EU-Liste invasiver Arten: noch eine Hornissenart?

Die Nördliche Riesenhornisse Vespa mandarinia soll in die Unionsliste invasiver Arten aufgenommen werden. Der Deutsche Imkerbund begrüßt die Entscheidung, fordert aber, auch die Schwesterart Vespa soror zu berücksichtigen.

Zurzeit wird die Liste der invasiven Arten unionsweiter Bedeutung überarbeitet. Die dort aufgeführten Arten müssen durch die Mitgliedstaaten bekämpft werden. So steht unter anderem die Asiatische Hornisse Vespa velutina in dieser Liste. Immer wieder wurde behauptet, Vespa velutina werde von der Liste genommen, was bei der jetzigen Überarbeitung jedoch nicht der Fall ist. Vielmehr soll auch die Nördliche Riesenhornisse Vespa mandarinia in die Liste aufgenommen werden. Der Deutsche Imkerbund (D.I.B.) hält diesen Schritt für notwendig, um Schäden an der Biodiversität, ökonomische Schäden sowie Gefahren für die menschliche Gesundheit durch diese Art zu verhindern, wie wir sie bereits durch Vespa velutina in der EU erfahren.

Vespa soror greift in Gruppen an

Im Rahmen der öffentlichen Anhörung hat der D.I.B. angeregt, auch die Südliche Riesenhornisse Vespa soror (du Buysson 1905) in die Liste aufzunehmen. Diese Art weist eine ähnliche Biologie wie Vespa mandarinia auf. Sie greift ebenfalls unter anderem Bienenvölker in Gruppen an, dringt in diese ein und zerstört sie (Matilla et al. 2020).

Vespa soror ist – wie ihre Schwesterart Vespa mandarinia – eine Top-Prädatorin. Allerdings wurde Vespa soror bislang weit weniger intensiv erforscht, da sie in subtropischen und tropischen Regionen vorkommt (Mattila et al. 2023). Ihr bisheriges Vorkommen in wärmeren Gebieten könnte ein eingeschränktes Verbreitungspotenzial in Europa bedeuten. Allerdings hilft die unterirdische Nistweise der Art möglicherweise, sich auch in weniger heißen Regionen auszubreiten. Mattila et al. (2023) kommen aufgrund der Biologie von Vespa soror zu dem Schluss, dass diese Hornissenart ein ähnliches Invasionspotenzial wie andere Hornissenarten aufweist.

Sichtungen in Spanien

Leider kommen bisherige Modellierungen für die potenzielle Verbreitung verschiedener Hornissenarten zu teils gegensätzlichen Ergebnissen (Otis et al. 2023). So haben sich auch die anfänglichen Annahmen für die potenzielle Ausbreitung von Vespa velutina in Europa inzwischen als falsch erwiesen. In der Vergangenheit wurden bereits einzelne Individuen von Vespa soror in andere Gebiete verschleppt (Otis et al. 2023). In Europa wurde Vespa soror in Spanien (Asturien) gesichtet. Auch wenn nicht klar ist, ob dort weiterhin eine Population existiert, lassen die Beobachtung von Arbeiterinnen in den Jahren 2022 und 2023 vermuten, dass Vespa soror in der Lage war, in Spanien einen Vermehrungszyklus zu durchlaufen (Sanchez et al. 2024).

Der D.I.B. schlägt vor, auch die übrigen asiatischen Vespa-Arten als mögliche Kandidaten für die Liste invasiver Arten unionsweiter Bedeutung zu beurteilen. Einige Arten üben einen enormen Raubdruck beispielsweise auf Feldwespen aus. Zudem besitzen neben den Riesenhornissen auch andere Arten ein hochpotentes Gift, das bei Stichen zu schwerwiegenden Problemen für die menschliche Gesundheit führen kann.

Gesetzliche Vorgaben auch umsetzen

Darüber hinaus hat der D.I.B. zu bedenken gegeben, dass die tatsächliche praktische Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben in den Mitgliedstaaten durch die EU-Kommission kontrolliert werden sollte. Bezüglich Vespa velutina hat sich leider gezeigt, dass einige Behörden die Vorgabe nur ungenügend umgesetzt oder schlicht ignoriert haben.

Übrigens: Die Orientalische Hornisse Vespa orientalis, die unter anderem in Süditalien Probleme bereitet, kann nicht auf die EU-Liste gesetzt werden, da sie in Teilen der EU heimisch ist. Allerdings hat jeder Mitgliedstaat die Möglichkeit, die Art auf die nationale Liste zu bekämpfender Arten zu setzen. Vespa orientalis scheint gut an den mediterranen Raum angepasst zu sein.

Vespa soror
(Quelle: Rushen, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Referenzen

Mattila HR, Otis GW, Nguyen LTP, Pham HD, Knight OM, Phan NT (2020). Honey bees (Apis cerana) use animal feces as a tool to defend colonies against group attack by giant hornets (Vespa soror). PLoS ONE 15, e0242668. (doi:10.1371/journal.pone.024266

Mattila HR, Nguyen LTP, Perrard A, Bain M, Otis GW (2023). Biology of the southern giant hornet, Vespa soror: nest architecture, morphological differences among castes, and the genetic structure of colonies. Front. Insect Sci. 3:1136297. doi: 10.3389/finsc.2023.1136297

Otis GW, Taylor BA, Mattila HR (2023). Invasion potential of hornets (Hymenoptera: Vespidae: Vespa spp.). Front. Insect Sci. 3:1145158. doi: 10.3389/finsc.2023.1145158

Sanchez O, Castro L, Fueyo A, Borrell Y, Arias A (2024). Early Alarm on the First Occurrence of the Southern Giant Hornet Vespa soror du Buysson, 1905 (Vespidae) in Europe. Ecology and Evolution 14 (11). DOI:10.1002/ece3.70502